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Primero Chronomaster front"> Referenz 01.0240.410 (UVP: 4800 Euro) Werk Zenith El Primero Kaliber 410, automatischer beidseitiger Aufzug über Zentralrotor und Klinkenrädern, Chronograph mit Schaltradsteuerung, Gangreserve zirka 55 Stunden, Durchmesser 13 Linien (30 mm), Höhe 7,55 mm, 31 Lagersteine, Glucydur-Unruh, 36 000 A/h, KIF-Flector Stoßsicherung, Flachspirale mit Feinregulierung, Datumschnellverstellung, augenblicklicher Datumswechsel um Mitternacht, 354 Werkbestandteile Funktionen Stunde, Minute, kleine Sekunde, Datum, Wochentag, Monat, Mondphase, Chronograph mit 30 Minuten- und 12 Stundenzähler Gehäuse Edelstahl, Durchmesser 39,9 mm, Höhe 13,2 mm, Gewicht 74g mit Lederband, Saphirglas beidseitig entspiegelt, geschraubter Boden mit Saphirglas-Fenster, 30m wasserdicht Band Reptillederband mit Dornschließe (optional Stahlgliederband) Varianten Schwarzes Zifferblatt mit dunkelbraunem Reptillederband. Weitere Varianten in Gelbgold, Rotgold und Platin, jeweils auch mit guillochiertem oder weissem Zifferblatt Geschichte und Hintergründe Bereits im Alter von 22 Jahren fertigte Georges Favre-Jacot (1843-1917) unter eigenem Namen Uhren. Zu jener Zeit hatte die Schweizer Uhrenindustrie eine grosse Schwäche: Es wurde noch immer nach alter Handwerks-Tradition gefertigt, maschinell vorgefertigte Teile, von Hand nachbearbeitet und justiert. Da man der steigenden Nachfrage kaum Herr werden konnte, wurden angelernte Arbeiter in grosser Zahl eingesetzt was zu Problemen mit der Qualität führte. In den USA galten Schweizer Uhren daher als minderwertig, Marken wie Elgin oder Waltham wurden durchgehend maschinell gefertigt und waren von deutlich besserer Qualität.
Georges Favre-Jacot erkannte die Problematik und folgte den Gesetzen der Industrialisierung. Er beschaffte Präzisionsmaschinen zur Herstellung von Teilen, Rädern, Trieben, Zifferblättern und Gehäusen. Die Bemühungen der Manufaktur trugen 1896 erste Früchte, er erhielt die Goldmedaille der Schweizerischen Landesausstellung in Genf. Danach folgten 1565 erste Preise von Observatorien für die Chronometer der Manufaktur. Um die Jahrhundertwende entschloss sich GFJ, die Firma nach dem bekanntesten Taschen-uhrenkaliber, dem Zenith zu benennen.
1909 wählten die italienischen Staatsbahnen Zenith zur offiziellen Uhr, gleichzeitig wurde der russische Markt zum wichtigsten Abnehmer. In den 20er Jahren gehörte Zenith mit über 1000 Mitarbeitern zu den fünf grössten Schweizer Uhrenherstellern. In Le Locle wurden Taschenuhren, Chronometer, Marine-Chronometer, Tischwecker und Präzisionspendeluhren gefertigt. Man hat auch rechtzeitig an Chronometer-werke für Armbanduhren gedacht. Nach dem zweiten Weltkrieg folgten Werke mit Hammer-Automatik, ab 1954 mit Rotor.
Der wohl wichtigste Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens, ist das Chronographen-Kaliber El Primero (zu deutsch. Der Erste). Nach einem spannenden Wettrennen zwischen Zenith und einem Konsortium bestehend aus den Herstellern Breitling, Heuer und Hamilton-Büren, ging Zenith mit der Vorstellung des ersten Chronographenwerkes mit automatischem Aufzug anlässlich einer Pressekonferenz am 10. Januar 1969 in Genf als Sieger hervor. Gegenüber dem Kaliber 11 hatte das El Primero einige Super-lative aufzuweisen: 36 000 A/h, augenblickliche Datumsschaltung sowie Trockenschmierung auf Molybdän-Sulfid-Basis. Es war auch mit 6,5 mm ausgesprochen flach, dieser Rekord wurde erst 1988 durch das Frederic Piguet Kaliber 1185 mit 5,5mm unterboten.
In den USA hatte Zenith gewisse Identitätsprobleme durch die Namensgleichheit mit der Zenith Radio Corporation. Diese erwarb Zenith Anfang der 70er Jahre von der Holding Movado-Zenith-Mondia und etablierte damit eine Vertriebsbasis für ihre Quarzwerke. Die zukunftshörigen Amerikaner verloren bald das Interesse an den mechanischen Werken und gaben 1978 Order, die Produktion einzustellen und alle Werke, Fournituren und Maschinen zu vernichten. Dem Leiter des Chronografen-Ateliers, Charles Vermot, ist es zu verdanken, dass das El Primero der Nachwelt erhalten blieb. Er wiedersetzte sich der Order und versteckte grosse Mengen an Werken, Werkzeugen, Maschinen sowie aller Konstruktions- und Fertigungszeichnungen auf dem Dachboden der Manufaktur.
Die Zenith Radio Corporation veräusserte Zenith Ende 1978 an ein Konsortium von Unternehmen, unter anderem an Paul Costella, den Inhaber der Maschinenfabrik Dixi. Dieser übernahm 1983 das Unternehmen zu 100% und nahm im selben Jahr mit Hilfe des Uhrenherstellers Ebel die Produktion des El Primero wieder auf. Zuerst wurden die Kaliber in ein neues Modell von Ebel eingeschalt, ab 1984 gab es auch wieder Uhren von Zenith. Ab 1986 wurden Verbesserungen an Hemmung und Schmierung realisiert, statt Incabloc kam die flachere KIF-Flector Stoss-Sicherung zum Einsatz. Gleichzeitig wurden die Kaliberbezeichnungen geändert: 400 für die Standardausführung, 410 für den Jahreskalender und 420 für das Handaufzugmodell.
Das El Primero Kaliber genoss zu jener Zeit unter Fachleuten ein derart hohes Ansehen, dass sich sogar Rolex 1987 entschloss, es in ihrem neuen automatischen Chronografen Daytona einzusetzen. Allerdings veränderten die Genfer rund die Hälfte aller Werkkomponenten, die Hemmung wurde auf 28 800 A/h zurückgenommen und eine freischwingende Unruhspirale mit Regulierschrauben eingesetzt. Modellbeschreibung Innerhalb der Produkte-Hierarchie stellt der Chronomaster die Spitze dar. Er enthält als einzige Uhr das Kaliber 410 mit Vollkalender und Mondphase, das früher parallel produzierte Modell mit Kaliber 400 ist nicht mehr erhältlich. Der Chronomaster ist der einzige El Primero, der mit dem grossem Gangschein der C.O.S.C. ausgeliefert und in ein aufwändig gefertigtes Gehäuse eingeschalt wird. Bei den Lederbändern und der Schliesse sind erfreulicherweise gegenüber den anderen Modellen leichte Unterschiede festzustellen. Auch die Verpackung fällt voluminöser aus, schon mal wegen des zusammengerollten Gangscheines. Gehäuse, Band und Tragekomfort Gegenüber den anderen Chronographen aus dem selben Hause fällt zuerst das Gehäuse mit dem deutlich überstehenden Saphirglas auf. Das dreiteilige Gehäuse, das Zenith übrigens nicht selbst herstellt, besteht aus Edelstahl und ist vom Stil her an die 40er Jahre angelehnt. Lünette, Gehäusemittelteil und Boden sind auf Hochglanz poliert. Zusammen mit der ausreichend großen Krone und den schön gerundeten Blockdrückern ergibt sich ein sehr klassisches Gesamtbild. Das Deckglas ist hoch über die Lünette gewölbt und beidseitig entspiegelt, hier scheiden sich nun die Geister. Während die Entspiegelung tiefe Einblicke in das bombierte Zifferblatt erlaubt, ist es auch ein ewiger Quell von störenden Flecken und Reflektionen. Wassertropfen oder Handcreme fallen erheblich mehr als bei nicht entspiegelten Gläsern auf. Wie bereits erwähnt, ist der Boden verschraubt, die Wasserdichtigkeit wird trotzdem nur mit 30 m angegeben. Dies liegt vor allem an den seitlichen Drückern für die Kalenderein-stellung. Da die Uhr aber in den Bereich der klassischen Lederbanduhren fällt - mit Edelstahlband wirkt sie nicht so schön - dürfte dies aber ohnehin kein Manko sein. Das Fenster im schön gravierten Boden gibt den Blick auf das wenig dekorierte Automatikkaliber frei. Die Uhr wirkt durch die mehrstufigen Gehäuseabsätze zwar nicht besonders flach, trägt sich aber sehr angenehm. Die glatte und sehr runde Ober-fläche gleitet leicht unter Hemd-manschetten, die Zenith stört nie am Arm, auch das Gewicht fällt praktisch nicht auf. Für einen Chronographen mit 40 mm Durchmesser ist der Tragekomfort exzellent.
Gerade im Profil hat der Chronomaster durch das entspiegelte Glas und das bombierte Zifferblatt mit den Appliken einen sehr hohen Unterhaltungswert. Selbst die Stahlvariante sieht sehr hochwertig aus. Bemerkenswert ist hierbei, dass die einzelnen römischen Ziffern nicht en bloc sondern allesamt aus einzelnen Segmenten zusammengesetzt sind. Dies bedeutet einen erheblichen Aufwand bei der Produktion des bombierten Zifferblattes da diese Arbeiten praktisch nur von Hand erledigt werden können. Dass hierdurch nicht alle Segmente absolut parallel liegen und leichte Abweichungen in der Lichtspiegelung auftreten, muss in diesem Fall unbedingt toleriert werden.
Das nicht rembordierte Reptillederband ist von guter Qualität, gleichmäßig genarbt und sauber vernäht. Hier wird ganz klar mehr geboten als beispielsweise beim Handaufzugmodell.
Auch die Schliesse, obwohl optisch den anderen Modelle gleich, ist etwas massiver und schont durch ihre Länge das Band beim Einfädeln. Bedienung & Ablesbarkeit An der Bedienung gibt es nichts zu meckern. Die Drücker lassen sich mit deutlichen Druckpunkt betätigen - Start, Stopp und Nullstellung funktioniert eindeutig und zuverlässig - mit ein Verdienst der Schaltradsteuerung. Die Krone ist leichtgängig, wie beim El Primero üblich, ist auch hier die Kronenposition für Zeiger- und Datumseinstellung vertauscht. Mit den seitlichen Drückern werden die Mondphase und der Wochentag eingestellt, der Kalendermonat wird beim Wechsel von 31 auf 1 mit der Datumseinstellung korrigiert. Der ausführlichen Anleitung liegt übrigens ein Mondphasen-Kalender für die nächsten Jahre bei. Wichtig zu erwähnen wäre noch, dass man - im Gegensatz zu den Kalibern 400 und 420 - zwischen 21 Uhr und 3 Uhr keine Datumskorrekturen vornehmen darf. Der Kalendertag wechselt zwar ebenfalls augenblicklich, die Schalt-Mechanismen für die Mondphase und den Wochentag befinden sich in diesem Zeitraum aber nacheinander im Eingriff.
Dass das Werk keinen Sekundenstopp bietet ist leicht zu verschmerzen, die Zeigerstellung verläuft nahezu spielfrei und satt, durch Halten der Krone kann die Unruh angehalten und somit die Zeit sekundengenau eingestellt werden.
Trotz des hochglänzend lackierten, silbernen Zifferblattes mit dem sehr edel wirkenden Sonnenschliff, lässt sich Zeitanzeige und Chronograph recht gut ablesen. Zifferblatt und Dauphine-Zeiger sind zwar Ton in Ton, durch das Lichtspiel der vielen Winkel ergibt sich aber immer ein ausreichender Kontrast. Die Nachtablesbar-keit ist dank fehlender Leuchtmasse nicht vorhanden. Die Hilfszifferblätter heben sich durch einen Ringschliff vom restlichen Zifferblatt ab und sind leicht vertieft. Auch die Mondscheibe hat einen Sonnenschliff und wirkt durch ihre dunkelblaue Farbe sehr gediegen.
Die Zeiger passen von der Form her gut zum Zifferblatt, sind in ihrer Länge optimal angepasst und folgen der Wölbung des Zifferblattes. Werk & Gangwerte Über das Werk und seine Geschichte habe ich weiter oben schon ausführlich geschrieben. In Fachzeitschriften wird Zenith manchmal die etwas spärliche Finissierung vorgeworfen, ich persönlich bin da anderer Meinung. Die schlichte Aufmachung passt zum Charakter des Werks, zumal alle wichtigen Merkmale wie geschliffene Räder, polierte Hebel und Schrauben vorhanden sind. Es müssen nicht immer Genfer Streifen und Wölkchen-schliffe sein. Dass das Schaltrad in Wirklichkeit mehr einer gestanzten Zahnscheibe denn einem traditionellen Säulenrad nahekommt, tut dem weichen und präzisen Schaltverhalten keinen Abbruch.
Die Angabe der Gangreserve von über 50 Stunden scheint zuzutreffen, nach einem Vollaufzug früh morgens lief die Uhr am späten Nachmittag des übernächsten Tages immer noch, sie wurde dann vorsorglich wieder aufgezogen.
Die Gangwerte machen der Modellbezeichnung alle Ehre. Wie es sich für einen Chronomaster mit offiziellem, grossem Gangschein gehört, lagen die Abweichungen innerhalb von wenigen Sekunden pro Tag. Die durch-schnittliche Abweichung im Tragetest beträgt - nach einer Einlaufzeit von rund 2 Monaten - recht stabile +1s/Tag. Ein meisterhafter Wert für einen Chronographen, wie ich meine. Qualitativer Eindruck Der Eindruck, den die Zenith El Primero Chronomaster hinterlässt, ist ganz ausgezeichnet. Die Gehäuse-verarbeitung reicht zwar im Vergleich nicht an eine Jaeger-LeCoultre heran, ist aber als sehr ordentlich und dem Preis angemessen zu bezeichnen. Im Gegensatz zur JLC ist die Lünette, wie bei den anderen Modellen von Zenith, nur aufgepresst statt aufgeschraubt..
Speziell das Zifferblatt ist sehr schön verarbeitet, berücksichtigt man den hohen Grad an Handarbeit, so fallen die teilweise leicht ungleichmässig gesetzten Appliken nicht ins Gewicht. Dafür sind denn auch die polierten Zeiger sehr exakt und ohne Spuren gesetzt. Wäre nun die Indikation des Wochentages noch gerade im Fenster positioniert, gäbe die Chronomaster überhaupt keinen Grund zur Klage. Es handelt sich hierbei zwar nur um eine Kleinigkeit, sollte aber der Endkontrolle aufgefallen sein. Fazit Der El Primero Chronomaster von Zenith stellt eine atemberaubend schöne Verbindung zwischen dem Uhrendesign der 40er Jahre, der innovativen Technik der späten 70er und einigen Merkmalen moderner Werkstoff- und Fertigungstechnik dar. Im Gegensatz zu zahlreichen Firmen, die praktisch alle Komponenten mit hypermoderner CNC- und Erodiertechnik vorproduzieren, kann man beim Chronomaster noch recht viel Handarbeit erkennen. Und gerade das macht ihn so liebenswert.
Wenn man sich die Uhr betrachtet, findet man sehr viele stimmige Details wie z.B. das hoch gewölbte Saphirglas, dass - ähnlich der früher verwendeten Plexigläser - eine flachere Lünette und somit einen weniger klobigen Eindruck ermöglicht. Hierzu passt auch das bombierte Zifferblatt mit den aufwändigen Appliken hervorragend. Um so schöner, dass auch die Gangwerte des El Primero hier nicht nachstehen, der grosse Gangschein ist kein Marketing-Gag. Im Gegenteil, auf der Zeitwaage erbrachte das eingeschalte Kaliber in jeder Lage deutlich bessere Werte als in dem, liebevoll mit einer roten Schleife versehenen, Dokument.
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